Lehrerbetriebspraktikum


Von der Theorie in die Praxis

Drei Lehrerinnen und Lehrer der Stadtteilschule Richard-Linde-Weg nahmen in diesem Jahr (2016) an dem von der Industrie und Handelskammer initiieren Projekt "Innenansicht - Lehrerbetriebspraktikum" teil.

Währen des Projektes gehen die Pädagogen für eine Woche in die Betriebe, lernen Arbeitsabläufe kennen und erfahren, wie die Auszubildenden von Morgen rekrutiert werden.

Die Lehrerinnen und Lehrer lernen nicht nur die verschiedenen Ausbildungsberufe kennen, sondern erfahren hautnah, welche Fähigkeiten und Kompetenzen die Schüler mitbringen müssen. Die Pädagogen vermitteln ihren Schülern die Erlebnisse aus der Arbeitswelt sowie die Anforderungen der Betriebe und bereiten ihre Schüler so auf das Berufsleben vor. Dies verbessert die Zusammenarbeit der Betriebe und Schulen erheblich.

Ebenso dient das Betriebspraktikum dazu, Kontakte zwischen Schule und Wirtschaft herzustellen und eine nachhaltige Zusammenarbeit zu ermöglichen. So haben die Betriebe die Möglichkeit, sich auf der Berufs- und Studienorientierungswoche der Stadtteilschule Richard-Linde-Weg vorzustellen.

Die Betriebspraktika können dabei in ganz unterschiedlichen Branchen durchlaufen werden:

Florian Klaus, Lehrer an der Stadtteilschule Richard-Linde-Weg absolvierte das Praktikum bei einem großen Einzelhandelsunternehmen für Bürobedarf in der Personalabteilung. Insbesondere lernte er, worauf die Betriebe bei der Sichtung der Bewerbungsunterlagen achten und welche Kompetenzen die Schülerinnen und Schüler für das Assessment Center mitbringen müssen. Außerdem lernte er den Ausbildungsberuf des Einzelhandelskaufmanns intensiv kennen, da er einen Auszubildenden im zweiten Lehrjahr einen Tag während seiner Ausbildung im Büromarkt begleiten durfte. "Um meine Schüler optimal auf das Berufsleben vorzubereiten, brauche ich Einblicke in die Abläufe der Unternehmen", sagt Klaus.

Geographie, PGW und Werkkunde-Lehrer Gregor Thier begab sich eine Woche lang die Werkstatt eines renommierten Hamburger Segelmacherbetriebes und tauschte das Pult mit einem Platz an der Nähmaschine. "Auf den ersten Blick wirkt ein solch spezielles Praktikum unnötig", so Thier, "jedoch produziert unsere Schülerfirma kleine Taschen aus alten Zahnpastatuben und da fehlte bisher das nötige Knowhow". Neben dem inhaltlichen Gewinn kam vor jedoch auch der Einblick in die Ausbildungszusammenhänge nicht zu kurz. "Es war interessant zu sehen, wie wichtig neben aller Fachlichkeit, gerade die sozialen Aspekte bei der Auswahl von Auszubildenden eine Rolle spielen", so Thier. Pünktlichkeit um 6:30 Uhr, Engagement, Arbeitshaltung, alles Dinge die in der Schule oft nebenbei vermittelt werden müssten, aber in der Ausbildung elementar seien.

Charlotte Brey hat ein einwöchiges Praktikum in der Werkstatt der Firma Brätsch Kompressoren in Bergedorf absolviert. Dort hat sie erst eigenhändig an Kurbelwellen gearbeitet und später durfte sie einen Kompressor zusammenbauen. Außerdem hat sie Verfahren wie das Drehen, Schweißen und Fräsen kennengelernt. "Es war wirklich beeindruckend!", sagt Charlotte Brey. "Ich habe eine ganz neue Welt und einen tollen Betrieb kennengelernt. Die Mechaniker in der Werkstatt haben mich wunderbar angeleitet und ich habe mich willkommen gefühlt." Die Lehrerin will ihre Begeisterung für das Handwerk unbedingt weitergeben. Demnächst kommt sie sogar mit ihrer Klasse zur Besichtigung vorbei. Und Maike Brätsch, Inhaberin von Brätsch Kompressoren, freut sich, wenn noch mehr Lehrkräfte den Weg zu ihr in den Betrieb finden!